Harninkontinenz bei der Hündin

Was ist Harninkontinenz?

Harninkontinenz bei der Hündin ist der Verlust der Kontrolle über den Harnabgang, d.h. das Tier verliert ungewollt Urin. Die Ursachen sind vielfältig. Neurologische Störungen, eine angeborene Missbildung oder Tumore der Harnblase und der Harnröhre, können zu einer Harninkontinenz führen. Natürlich sind auch oft Infektionen und Entzündungen der Blase verantwortlich für das Harnträufeln. Weitaus am häufigsten kommt aber die kastrationsbedingte Harninkontinenz bei der Hündin vor.

 

Wie entsteht Harninkontinenz?

Der Urin wird in den Nieren gebildet und bis zur Ausscheidung durch die Harnröhre in der Blase gespeichert. Der Harnröhren-Sphincter ist ein Muskel, welcher normalerweise die Harnröhre schliesst, bis die Hündin Wasser lassen möchte. Dieser Schliessmuskel verhindert also, dass Urin aus der Blase tropft. Vor allem bei kastrierten oder älteren Hündinnen ist die Verschlussfähigkeit der Harnröhre vermindert. Bei Hündinnen tritt die Inkontinenz meist ungefähr 3 Jahren nach Kastration auf. Es hat sich gezeigt, dass die verminderte Verschlussfähigkeit in direktem Zusammenhang mit einem tieferen Oestrogenspiegel (Eierstockhormon) steht. Hauptsächlich Hündinnen grosser Rassen von über 20 kg Körpergewicht und bestimmte Rassen wie Rottweiler, Dobermann, Riesenschnauzer und vor allem Boxer neigen vermehrt zu Inkontinenz.

 

Was sind die Anzeichen von Harninkontinenz?

Das wichtigste Symptom der Harninkontinenz ist tröpfelnder Urin zu unüblichen Zeiten und an unüblichen Orten. Bei einigen Hündinnen bemerkt man den ungewollten Harnverlust nur bei Aufregung oder Bellen. Meistens jedoch verlieren die Hündinnen im Schlafzustand Urin, und am Morgen ist dann die Decke im Hundekörbchen nass. Vielleicht bemerken Sie das verunreinigte Fell oder den Uringeruch. Inkontinenz kann auch zu Verbrennungen der Haut um die Scheide oder sogar zu lokalen Infektionen führen. Wenn die Hündin durch die Harninkontinenz gestresst ist, können auch Verhaltensveränderungen auftreten. Sie schämen sich und leiden selber auch unter dem ungewollten Harnabgang.

Wie kann Harninkontinenz behandelt werden?

Natürlich ist die Therapie der Inkontinenz abhängig von den Ursachen. Grundlegend gibt es die chirurgische und medikamentöse Behandlung. Bei der chirurgischen Behandlung wird entweder eine organische Missbildung behoben oder mittels Kollageninjektion die Verschlussfunktion der Harnröhre erhöht.

Mit einer medikamentösen Therapie wird versucht, gezielt die Funktion des Harnröhren-Schliessmuskels zu verbessern. Die Behandlung der kastrationsbedingten Harninkontinenz ist z.B. mit dem Wirkstoff Estriol möglich.

 

 

Wie wirkt Estriol bei der Hündin?

Estriol-Tabletten sind speziell für die Behandlung von hormonell bedingter Harninkontinenz nach Kastration geeignet. Das Produkt wirkt, indem es das nach einer Kastration fehlende Östrogen ersetzt. Der Tonus der Harnröhrenmuskulatur wird erhöht und so erfolgreich ungewollter Urinverlust verhindert.

 

Welche Dosierung gebe ich meiner Hündin?

Die genaue Dosierung muss für jedes Tier individuell vom Tierarzt bestimmt werden. Befolgen Sie stets den Rat Ihrer Tierärztin/Ihres Tierarztes.

 

Wie schnell kann ich mit einer Verbesserung rechnen?

Bereits während den ersten Behandlungstagen sollte normalerweise eine Verbesserung auftreten. Trotzdem ist meist eine Anpassung der Anfangsdosis nötig. Es sollten jedoch mindestens 7 Behandlungstage abgewartet werden, bis sich die volle Wirksamkeit einer bestimmten Dosierung eingestellt hat.

 

Muss meine Hündin mit Nebenwirkungen rechnen?

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Ihre Hündin Probleme mit den Estriol-Tabletten haben wird. Falls für die Inkontinenzbehandlung eine höhere Dosierung nötig ist, können Hündinnen gelegentlich leichte Läufigkeitsanzeichen zeigen. Benachrichtigen Sie immer Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt, wenn Sie irgendwelche ungewöhnlichen Zeichen feststellen.

 

Wie kann ich meine Hündin zusätzlich zur medikamentösen Inkontinenzbehandlung unterstützen?

Geben Sie Ihrer Hündin genügend Möglichkeiten, normal zu urinieren, vor allem abends vor dem Schlafengehen. Schränken Sie Ihrer Hündin das Trinken nie ein. Übergewicht unterstützt die Urininkontinenz negativ – Ihre Tierärztin/Ihr Tierarztes kann Ihnen ein Gewichtskontrollprogramm für Ihre Hündin empfehlen.

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